Ayurveda gegen Burnout: Pancha Karma – Therapie
von Dr. Hans Schäffler
Pancha Karma bedeutet 5 (reinigende) Handlungen und ist eine effektive Therapieform des Ayurveda.
Stress, Unregelmäßigkeiten in der Ernährung und im Lebensstil, Umwelteinflüsse, psychische und mentale Belastungen sowie innere Faktoren führen im Laufe der Zeit zu einem Ungleichgewicht der Doshas. Dadurch entstehen zunächst funktionelle Störungen. Meistens wird gleichzeitig das Agni schwächer, so dass der Organismus verschlackt. Die Basis für Krankheiten ist damit gelegt. Pancha Karma besteht aus einer Serie von lösenden und ausscheidenden Verfahren, die diesen Prozess wieder umkehren.
Die erste Phase von Pancha Karma besteht in der Verabreichung von fettigen Substanzen. Das kann innerlich sein, indem man vorwiegend Butterfett morgens nüchtern in einer vom Arzt verordneten Menge nimmt. Oder es werden mit Kräutern aufbereitete Öle über die Haut einmassiert.
Die Öle und Fette, die auf diese besondere Weise in den Körper gelangen, sollen Schlacken und Ablagerungen in den Geweben lösen. Nach der Ölung erfolgt eine Wärmebehandlung. Die Kapillaren erweitern sich und die Ablagerungen können abtransportiert werden. Der Körper beginnt nun die Schlacken über die Haut aber vor allem über die Darmschleimhaut auszuscheiden.
Ölung und Wärme bereiten die eigentliche Reinigung vor. Für die Ausscheidung stehen 5 verschiedene Verfahren zur Verfügung:
- „Vamana“ - das Erbrechen mobilisiert in erster Linie Schleim und balanciert dadurch ein gestörtes Kapha.
- „Virechana“ - die Gabe von Abführmittel spricht den Oberbauch mit Magen, Dünndarm und Leber an. Hier wird allem ein überschießendes Pitta ausgeschieden.
- Mit „Basti“ werden unterschiedliche Einläufe bezeichnet. Sie erreichen vorwiegend den Dickdarm, der als Ausscheidungsort für ein gestörtes Vata gilt.
- Für Krankheiten im Kopf und Schulterbereich wird das „Nasya“ angewandt. Die Ausscheidung erfolgt über die Nasenschleimhaut. Dazu gibt man verschiedene Öle oder Kräutermischungen in die Nase.
- „Rakta Mokshana“ - verschiedene Formen des Aderlasses und des Schröpfens dienen der Blutreinigung.
Pancha Karma ist bei praktisch allen chronischen Erkrankungen angezeigt. Regelmäßig angewandt ist es jedoch auch ein wichtiges Instrument der Vorbeugung und Gesundheitsförderung. Bei dieser Schilderung kommt nicht zum Ausdruck, dass die Öl- und Wärmebehandlungen in der Regel äußerst angenehm sind. Sie balancieren das Körper-Geist-System und vermitteln eine tiefe Ruhe. Teile von Pancha Karma haben sich deshalb hervorragend bei stressbedingten Erkrankungen wie dem Burnout bewährt.
5 Elemente
Angenommen, sie machen ein Picknick und haben auf einem alten Baumstamm Platz genommen. Der Stamm ist schwer, hart, trocken und rau. Diese Eigenschaften entsprechen im Ayurveda dem Erdelement, das solide und strukturbildend ist. Sie trinken dann frisches Quellwasser. Das Wasser ist fließend, kühl, flüssig, weich, sanft und verbindend. Durch die verbindende Qualität steht das Wasser für Gefühle und Liebe.
Inzwischen hat jemand ein kleines Feuer angemacht. Sie beobachten, wie die Zweige verbrennen und Wärme frei wird. Das Feuer ist hitzig, scharf, akut und natürlich heiß. Es steht für Umwandlung, Energie und Transformation.
Plötzlich kommt Wind auf und wirbelt Blätter hoch. Der Wind (Luftelement) symbolisiert Bewegung und Aktivität. Er ist kühl, beweglich, rau und trocken. Das 5. Element ist der Raum, der alles umgibt. Er ist subtil, leer, frei von Widerstand. Die 5 Elemente sind eine wichtige Basis des Ayurveda. Das Wissen darüber ist tief in den archaischen Schichten des Bewusstseins verankert. Noch heute bezeichnen wir einen Menschen als „erdig “oder „nahe am Wasser gebaut“. Jemand anderes ist „spaced out“ - ein Luftikus oder ein feuriger Typ.
3 Doshas
Betrachtet man die dynamische Seite der 5 Elemente, so treten Wasser und Erde gerade im Bereich des Lebendigen immer gemeinsam auf, ebenso Raum und Luft. Die 5 Elemente lassen sich deshalb in 3 dynamische Prinzipien gruppieren, die der Ayurveda Doshas nennt.
- Vata entspricht Raum und Luft. Es steht für Bewegung, Aktivität, Information, Regulation und alle geistigen Aktivitäten.
- Pitta entspricht dem Feuer, das die Grundlage von Verdauungskraft und Stoffwechsel ist. Es baut neue Gewebe auf und produziert Energie. Die „Schärfe“ von Pitta unterstützt den Intellekt und die Entscheidungskraft.
- Kapha entspricht der Erde und dem Wasser: Es ist damit die Grundlage von Struktur, Kraft und Ausdauer. Liebe und Geduld sind die geistige Seite von Kapha.
Agni und Ama
Agni bedeutet wörtlich Feuer und umschreibt alle Verdauungs- und Stoffwechselvorgänge. Damit ist es die wichtigste Funktion von Pitta. Ein kräftiges Agni baut im Darm die Nahrung vollständig ab und bildet aus den Nährstoffen neue Gewebe bzw. Energie. Ist das Agni geschwächt, wird die aufgenommene Nahrung nicht richtig verdaut. Es entsteht „Ama“ - was wörtlich „unverdaut“ bedeutet und unserer Vorstellung von Schlacken entspricht. Doshas, die ihr Gleichgewicht eingebüßt haben, ein schwaches Agni und die Entstehung von Schlacken sind im Ayurveda wichtige Krankheitsursachen.
Dr. Hans Schäffler
Dr. Hans Schäffler ist Arzt für Allgemeinmedizin mit dem Zusatztitel Naturheilverfahren. 1984/85 studierte er über 1 Jahr Ayurveda in den USA und Indien. Zusammen mit Kollegen hat er 1985 in der Nähe von Osnabrück das erste ayurvedische Gesundheitszentrum in Deutschland eröffnet. Seit 1993 führt Dr. Schäffler ein ayurvedisches Gesundheitszentrum im Hotel Schloss Pichlarn in der Steiermark/Österreich.
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