Meine Reise ins Ich
von Andrea Schipper
Vor mittlerweile 13 Jahren begann meine Reise, von Deutschland nach Amerika, vom Unbewusstsein ins Bewusstsein. Mein neues zu Hause hieß mit 22 Jahren: Los Angeles. Die pulsierende Stadt am Pazifik, in der nichts unmöglich ist, sich liebevolle Menschen die Hand geben, weise Leute das Licht anderer entfachen, gute Charaktereigenschaften geehrt werden. Los Angeles, die Stadt der Wunder und tatsächlich die Stadt der Engel. Sie wurde meine Stadt, geplant für nur 6 Monate, doch geblieben bin ich 12 Jahre. Dort begann meine Reise ins Ich.
Nach einigen Jahren fühlte ich mich etwas verloren – in mir selbst und auch in dieser gigantischen Weltstadt. Und so wurde mein innerer Drang mich zu verändern, mehr von meinem Leben zu wollen, immer stärker. Und die Hilfe glücklicher zu werden, endlich zu wissen, wer ich bin und meinen Platz auf dieser Erde zu finden war auf einmal da. Eines Tages fand ich mich in einem Fitnessstudio wieder und sah eine Gruppe von Menschen, die darauf warteten einen Yogakurs zu besuchen.
Ich fragte die Wartenden, die in der Schlange standen, ob jeder mitmachen könnte, und die Antwort war „ja.“ Etwas aufgeregt nahm ich zum ersten Mal Platz auf einer Yogamatte und wartete mit Spannung auf das, was kommen würde. Auf einmal betrat die Yogalehrerin den Raum und mit ihrer Gegenwart hat sie ihn erleuchtet, mit Ihrem Lächeln alle verzaubert, mit Ihrer Stärke alle Leute im Raum gestärkt, mit Ihrer Anmut alle inspiriert. Vielleicht auch nicht alle, doch mich. Auf einmal wusste ich, so möchte ich sein: die Ausstrahlung, die Stärke, die Liebe, die Harmonie, die Freude – das möchte ich auch verkörpern, in jeder meiner Zelle.
Ich fand mein zu Hause – mich selbst
Nach dieser ersten Yogaklasse wusste ich, das Yoga der Weg ist mein inneres Glück zu finden, mit eigener Kraft meine Wolken davon zuschicken, meinen emotionalen Keller aufzuräumen. Denn nur so würde ich mein eigenes Licht entfachen können. Bei der nächsten Yogaklasse war ich wieder dort, sitzend auf meiner Yogamatte. Yoga wurde ein Zufluchtsort, Aufwachraum, Inspirationshort, Sicherheitshafen, Freudeninitiator, Energieerzeuger, Stärkegenerator, Balancegeber, Wegweiser und Glückvervielfacher - bis heute.
Zufluchtsort, weil ich auf der Yogamatte ich sein kann, so wie ich bin, mit all meinen Emotionen, die ich gerade spüre, zulasse, und in die ich eintauche.
Aufwachraum, weil durch das Dasein mit mir selbst ich beginne mich anzuschauen, mich zu beobachten, mich zu akzeptieren – all meine Seiten, die Sonnen- und die Schattenseiten.
Inspirationshort, weil ich auf der Yogamatte, manchmal nach dynamischen Yogaübungen, manchmal in tiefster Stille, die Inspirationen und Ideen meiner Seele hören und ihnen folgen kann.
Sicherheitshafen, weil ich durch Yoga Stärke finde, ob im Krieger, im Bogenschützen oder in langen Meditationen. Und diese Stärke ist auch ein Stück Sicherheit, die sich von der Yogamatte in mein Leben transferiert – jeden Tag.
Freudeninitiator, weil das, was ich nicht mehr brauche durch Yoga wegfällt und ich Platz für größeres schaffe, Saat für neues säe und dadurch erblühe.
Energieerzeuger, egal ob ich gerade müde oder super fröhlich bin, wie Magie tanke ich auf – manchmal halbvoll, manchmal ganzvoll. Doch ich tanke auf: meine Zellen, mein Gehirn, meine Muskeln, mein Herz und meine Seele mit purer Lebensenergie, genannt Prana.
Stärkegenerator, weil ich meine Schwächen spüre und sie sehe und mir erlaube sie umzuwandeln in Stärke. Denn jetzt schaue ich hin, nicht mehr weg und genau diese Ehrlichkeit mir gegenüber macht mich stark.
Balancegeber, weil egal, wodurch ich gerade gehen darf, auf meiner Yogamatte spüre ich eine immer wachsende Ruhe, in der ich den Alltag und dessen Polaritäten balancierter und ausgeglichener erfahre.
Wegweiser, weil meine Intuition durch Yoga so gewachsen ist, und ich sie immer deutlicher höre und sehe – jeden Tag mehr. Und so kann ich nach all den Jahren mein Potential leben, den Weg meiner Seele folgen, denn sie kennt meinen Weg und auf den vertraue ich.
Glückvervielfacher, weil ich gelernt habe mein Leben zu lieben, weil ich heute mehr denn je schätze, wie reich ich innerlich wirklich bin. Und genau an diesen Worten merke ich, wie sehr Yoga mich positiv verändert hat. Ich bin glücklich. Auch wenn es manchmal herausfordernde Tage und Situationen gibt, die wird es immer geben – mein inneres Glück habe ich gefunden.
Und so kam ich, das Mädchen aus einer kleinen Stadt in Deutschland, in einer der größten amerikanischen Metropolen zu Hause, zum Yoga. Es hat meine innere und dadurch äußere Welt verändert, meinen Horizont erweitert, Geschenke gebracht, Glück, Liebe und Selbstbewusstsein, wie ich es vor meiner Reise nie hätte erträumen können. Das Mädchen war ich, Andrea. Und ich würde diese Reise genauso noch einmal begehen, denn sie hat mich geöffnet und mich zu der Person gemacht, die ich heute bin – happy at last.
Andrea Schipper
Während ihres Studiums der Psychologie und Betriebswirtschaft in Los Angeles, absolvierte sie zwei Yoga-Ausbildungen in Hatha- und Kundalini Yoga. Andrea gründete YogaRelations mit dem Wunsch, dass Yogis, Yoginis, YogalehrerInnen und Gastautoren einander inspirieren und um Austausch, Wachstum, Einblicke sowie Verknüpfungen in der Yoga Welt zu ermöglichen.
Fotograf: Andreas Ortner
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