Gärtnern im Einklang mit der Natur

Gärtnern im Einklang mit der Natur

 von Michael Breckwoldt


Im Garten tauchen wir in eine andere Zeit ein. Wir lassen uns auf das ein, was wir tun und setzen uns dabei nicht unter Druck – warum sollten wir? Dort draußen gibt es keine Termine, keine getakteten Regelkreise oder engen Intervalle, nur den großen Rhythmus der Natur. Dieser tickt nach ureigenen Regeln: Perfekt und zuverlässig in seiner Bauart, den menschlichen Ansprüchen jedoch häufig genug zu wenig akkurat und regelbar. Wie gut, dass es ist, wie es ist, dass menschliche Maßstäbe in der Natur nicht zu ihrem Recht kommen und nur begrenzt intervenieren können – es sei denn, sie stifteten Unfug. Ein gelbes Blatt ist eben wie ein graues Haar, es ist Teil eines natürlichen Kreislaufs, und es sinnlos, sich gegen diesen zu stemmen.

Deshalb lautet die erste Gärtnerregel: Gelassenheit. Nicht ohne Grund zeichnet richtige Grünfinger, stoische Ruhe aus. Und sie besitzen ein verblüffendes Vertrauen in die Abläufe der Natur. Sie wissen nämlich, dass sie diese höchstens im Kleinen und nur vorübergehend beeinflussen können, etwa wenn sie stellenweise Wildkraut herauszupfen oder Äste abschneiden. Ziehen sich die tätigen Hände zurück, sind deren Eingriffe in null Komma nichts als Makulatur, verschwunden unter schnell sprießendem neuem Bewuchs. Die Fruchtbarkeit und Kraft der Natur sind einfach unerschöpflich.

Auch die Abfolge der Jahreszeiten ist ein unaufhaltsamer Prozess. Wann genau die erste Frühlingsfrische kommt, wann die ersten Schwalben oder Rosenblüten erscheinen, steht jedoch in keinem Kalender. Nie gleicht ein Jahr dem anderen, schon gar nicht im Garten. Doch das ist kein Grund zum Verzweifeln. Es ist eher ein Grund zum Staunen und zum genauen Hinschauen. Wer exakt beobachtet, findet mit der Zeit heraus, was gut gedeiht, wo es gut gedeiht und welche Gewächse man besser aus den eigenen Beeten verbannen sollte. So ist es etwa vergebene Liebesmüh, die Feuchtigkeit bevorzugenden Hortensien in sandige Böden zu setzen, die das Wasser schlecht halten.

Die Natur als Vorbild
Bevor der Gartenenthusiast also komplizierte Bepflanzungspläne austüftelt, stellt er sich besser innerlich darauf ein, Hand in Hand mit der Natur zu arbeiten. Planen Sie Neupflanzungen so, dass die Auswahl der Arten zu Boden und Lichtverhältnissen des Standortes passen, für den sie vorgesehen sind. Die Natur liefert dafür das Vorbild. Dort haben Pflanzen Nischen erobert, in denen sie sich gegen die Konkurrenz behaupten können. Dahinter steckt ein weiser Verteilungsplan. Da nicht alle Gewächse einen Platz an der Sonne abkommen konnten, fingen sie an, sich zu spezialisieren. Einige nahmen eher schattige Orte für sich in Beschlag. Andere wichen auf magere Böden aus und wieder andere suchten die Wassernähe. Das hat sich im Laufe der Evolution vollzogen. Biologen sprechen von ökologischen Nischen. Gärtner hingegen von Standortansprüchen, die für jede Pflanze berücksichtigt werden sollten. Vielen Gartengewächsen sieht man deren ursprüngliche Prägung noch an. Waldpflanzen etwa, die sich in den Schatten der Bäume zurückgezogen haben, besitzen häufig große, dünnhäutige Blätter, mit denen sie das spärliche Sonnenlicht optimal einfangen können. Farne und die meisten Funkien gehören dazu. Setzt man sie in die Sonne, versagen sie kläglich oder kümmern vor sich hin, weil ihnen dort Kühle und Feuchtigkeit fehlen. Ganz anders Gewächse, die auf Hitze und pralle Sonne programmiert sind. Das erkennt man bereits auf den ersten Blick: Ein grauer Filz oder nadelartige Blätter schützen diese Pflanzen vor übermäßiger Verdunstung. Beste Beispiele sind Lavendel, Wollziest und Heiligenblume. Die Böden, auf denen sie gedeihen, sind karstig und arm an organischer Substanz. Regen fließt dort schnell ab, und das ist auch gut so. Anderenfalls würden die Wurzeln dieser Pflanzen Gefahr laufen zu faulen, vor allem in den nassen Wintermonaten.

Es lohnt auszuprobieren
Zum Glück finden sich in guten Gärtnereien Hinweise auf die Standortansprüche der Pflanze – nicht nur Symbole für Sonne und Schatten, sondern auch darauf, welchen Boden die Pflanzen bevorzugen. Das sollte beherzigt werden. Sonst zahlen Sie Lehrgeld. Aber selbst das wäre nicht so schlimm. Denn manchmal lohnt es sich, einfach etwas zu probieren. Und, oh Wunder, es gelingen Dinge, die in keinem Lehrbuch stehen. Die Natur ist immer für Überraschungen gut. Sie ist so vielfältig, dass nicht alle Möglichkeiten und Varianten erforschbar und vorhersehbar sind. Seien Sie daher offen für das was passiert und bereit flexibel darauf zu reagieren. Manche Pflanzen wandern gleichsam in ihren Garten ein. Sie haben ihnen anfangs eine kleine Ecke gegönnt. Nun machen sie sich breit. Lassen Sie sie gewähren, sofern die Nachbarpflanzen nicht verdrängt werden.

In der asiatischen Philosophie gibt es das schöne Bild vom Wasserstrom, der sich seinen Weg sucht allen harten, spitzen Felsen zum Trotz. Auch Pflanzen und Blumen suchen sich ihren Platz im Garten manchmal selbst aus. Entscheidend ist, dass Sie dies zulassen. Und denken Sie daran: Der Garten ist ein Stück Erholung. Wir nehmen uns Zeit für das, was wir tun. Druck ist dort völlig fehl am Platz.

Michael Breckwoldt

Michael Breckwoldt, geboren 1959 in Hamburg, studierte Gartenbau, Literaturwissenschaft und Philosphie. Als freier Journalist arbeitet für Zeitschriften wie Brigitte und Living at Home. Er betreibt die Webseite Garten und Gabel mit informativen Themen rund ums Gärtnern und Kochen. Michael Breckwoldt gibt auch Vorträge und Seminare und ist Buchautor von

Gärten gestalten, Gärten genießen
Cottage-Gärten
Grundkurs Grüner Daumen

Mehr über Gärtnern im Einklang mit der Natur

Hat Dir der Beitrag von Michael Breckwoldt über Gärtnern im Einklang mit der Natur gefallen oder hast Du bestimmte Aspekte vermisst? Dann schreib uns einfach. Natürlich kannst Du aber auch Mitglieder der Yoga-Community zu Rate ziehen oder im Yoga Forum über Gärtnern im Einklang mit der Natur diskutieren.

Julia Meisen Siri Sevak Kaur Sabine Schwärzel jasmin k Sabine Weiss Sonja Eigenbrod Ahrens Kirsten Tabhita Reismann Gaurahari Francis Kaderli Lauth Petra Franziska Steinmetz Maja Ferber (Hari Inder Kaur) Daniela SUN andrea nusser Vanessa Hafner Leslaw Lukowski sandra litter Andreas Lipp andrea keens Aufderklamm Nicki

Treffe Yogis aus deiner Umgebung!

Mitgliederübersicht
Call-a-Yogi Jio Yoga Studio Sabine Karnowski - YogaBeauty Severin Touristik GmbH - Severin_travel Carmen Braner-Lonthoff Mamayogini TRIPADA Akademie für Gesundheit und Yoga Anna Trökes Viola Bellon Doris Iding Manuela Meyer Bianca Gianroop Kaur Seemann Hotel Birkenhof Lagojannis, Kerstin Kathrin Bielowski Andrea Ostheimer Lydia Riedewald Helga Ravi Inder Kaur Dick Claudia Müller-Ostenried Glücksakademie

Partner aus deiner Umgebung!

Partnerübersicht

Schau mal vorbei